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Die Prinzessin auf der Erbse
1 Ein Märchen von Hans Christian Andersen
2 Es war einmal ein Prinz, der wollte eine Prinzessin heiraten; aber es sollte
3 eine wirkliche Prinzessin sein. Da reiste er in der ganzen Welt herum, um
4 eine solche zu finden, aber überall war etwas im Wege. Prinzessinnen gab es
5 genug, aber ob es wirkliche Prinzessinnen waren, konnte er nicht
6 herausfinden. Immer war etwas, was nicht so ganz in der Ordnung war. Da
7 kam er denn wieder nach Hause und war ganz traurig, denn er wollte doch
8 so gern eine wirkliche Prinzessin haben.
9 Eines Abends zog ein schreckliches Gewitter auf; es blitzte und donnerte, der
10 Regen strömte herunter, es war ganz entsetzlich! Da klopfte es an das
11 Stadtthor, und der alte König ging hin, um aufzumachen.
12 Es war eine Prinzessin, die draußen vor dem Tore stand. Aber, o Gott! wie
13 sah die von dem Regen und dem bösen Wetter aus! Das Wasser lief ihr von

14 den Haaren und Kleidern herunter; es lief in die Schnäbel der Schuhe hinein 15 und an den Hacken wieder heraus. Und doch sagte sie, dass sie eine wirkliche 16 Prinzessin sei.
17 „Ja, das werden wir schon erfahren!", dachte die alte Königin. Aber sie sagte
18 nichts, ging in die Schlafkammer hinein, nahm alle Betten ab und legte eine
19 Erbse auf den Boden der Bettstelle; dann nahm sie zwanzig Matratzen und
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0 legte sie auf die Erbse, und dann noch zwanzig Federbettenbetten oben auf
21 die Matratzen.
22 Darauf sollte die Prinzessin in der Nacht schlafen. Am nächsten Morgen
23 wurde sie gefragt, wie sie geschlafen habe. 24 „O, erschrecklich schlecht!", sagte die Prinzessin. „Ich habe meine Augen fast
25 die ganze Nacht nicht geschlossen! Gott weiß, was da im Bette gewesen ist!
26 Ich habe auf etwas Hartem gelegen, sodass ich ganz grün und blau überall
27 bin! Es ist ganz entsetzlich!"
28 Nun sahen sie ein, dass es eine wirkliche Prinzessin war, da sie durch die
29 zwanzig Matratzen und die zwanzig Federbetten hindurch die Erbse gespürt
30 hatte. So empfindlich konnte niemand sein, als eine wirkliche Prinzessin.
31 Da nahm der Prinz sie zur Frau, denn nun wusste er, dass er eine wirkliche
32 Prinzessin heiratete; und die Erbse kam in die Kunstkammer, wo sie noch
33 heute zu sehen ist, wenn niemand sie gestohlen hat.
34 Sieh, das war eine wahre Geschichte.